männerspezifische Behandlung

Im Therapiezentrum Münzesheim werden ausschließlich suchtkranke Männer behandelt. Dieses strukturelle Merkmal ist unseres Erachtens die Voraussetzung für eine männerspezifische Behandlung in dem Sinne, dass in diesem Rahmen eine offene Auseinandersetzung mit der sozialen Rolle von Männern in unserer Gesellschaft und ihrem eigenen Selbstbild möglich wird.

 

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Für Männer ist der Suchtmittelkonsum (das zeigen alle empirischen Zahlen) ‚normal‘, ein gesundheitlich riskantes Verhalten gilt als besonders männlich und dient im sozia­len Vergleich der Selbstbestätigung. Eine suchtmittelabstinente Lebensführung dagegen wider­spricht diesem Männlichkeitsbild und wird als fremd, weichlich und heteronom wahrgenommen. Mit dem tradierten Männlichkeitsbild wird gleichzeitig leistungs­orientierte, schmerzindolente Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle assoziiert. Männerspezifische Therapie heißt vor diesem Hintergrund:

  • dass Männer sich nicht nur durch tatsächliche und vermeintliche Stärken sehen und definieren, sondern auch vermeintliche Schwächen zulassen, reflektieren und in ihr Selbstbild integrieren können, zumal sie im Rahmen der Suchtkrank­heit selbstbildkonträre Erfahrungen (Verlust der Kontrolle) machen mussten.
  • dass Männer im gesellschaftlichen Wandel ihre eigene Identität finden, akzeptie­ren und schätzen und diese Identität in der Öffentlichkeit vertreten können; dass Männer ein Gefühl der Solidarität untereinander entwickeln, den anderen akzeptieren und wertschätzen können, ohne ihn abzuwerten;
  • dass Männer sich mit ihrer Aggressivität und ihren aktiven und passiven Gewalt­erfahrungen auseinander setzen; dass Männer sich mit ihren Unterlegenheits- und Überlegenheitsgefühlen gegenüber Frauen selbstkritisch auseinander setzen und eine neue Souveränität in der Genderbeziehung entwickeln;
  • dass Männer im therapeutischen Setting bei der Arbeitstherapie und beim Sport leistungsorientierten Aktivitäten nachgehen können und dabei Bestätigung finden, sich aber auch selbstkritisch mit einer einseitigen Leistungsorientierung zur Selbstwertstabilisierung auseinander setzen;
  • dass Männer gleichzeitig, indem sie im Rahmen der ergotherapeutischen Maß­nahmen ‚Frauentätigkeiten‘ übernehmen, ihr Rollenverständnis reflektieren und ihre Erfahrungen bei diesen Tätigkeiten explorieren;
  • dass Männer sich in der Gemeinschaft der Männer im therapeutischen Setting nicht abgelenkt und aufgefordert fühlen, Beziehungen zu Frauen zu suchen und aufzunehmen. dass Männer Ressourcen besitzen, vermeintlich frauenspezifische Stärken an so­zialer Kompetenz, Empathiefähigkeit, Introspektionsfähigkeit und Verbalisa­tionsfähigkeit bei sich entdecken und entwickeln können.

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Suchtkranke Männer machen, wenn sie in einer Partnerschaftsbeziehung stehen, die für sie erstaunliche Erfahrung, dass sie aufgrund der in der Therapiezeit entwickelten größeren und wertschätzenderen Gesprächsfähigkeiten eine neue Anerkennung von ihren Partnerinnen und von ihrem sozialen Umfeld erfahren und sich da­bei souverän fühlen können. Zu diesem neuen Souveränitätsgefühl trägt bei, dass sie sich bei Haushaltstätigkeiten nicht mehr latent abhängig fühlen müssen, sondern Basisfertigkeiten der Selbstversorgung trainiert haben. Die wieder gewonnene Leistungsfähigkeit im sportlichen und beruflichen Bereich trägt ebenfalls zu einem gesunden Selbstwertgefühl bei. Zur männlichen Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit dem männlichen Selbstbild und Rollenverständnis trägt im Therapiezentrum ferner bei, dass in der Klinik kontinuierlich ein hoher Anteil von türkischen, südosteuropäischen und auch deutsch-russischstämmigen Patienten behandelt wird, die häufig ein aus­gesprochen patriarchalisches Männerbild in ihrem Alltag gelebt haben und in die Re­flexion einbringen.