Mutter-Kind-Therapie

Kinder sind bei uns willkommen …

 

Eine stationäre Entwöhnungsbehandlung dauert in der Regel zwischen 8 und 16 Wochen. Für viele Mütter ist eine so lange Trennung von ihrem Kleinkind nicht vorstellbar. Dies gilt umso mehr, wenn es innerhalb der Familie keine adäquate Alternative zur Betreuung des Kindes während der Abwesenheit der Mutter gibt. In diesen Fällen eröffnet erst das Angebot der Mutter-Kind-Behandlung die Möglichkeit, sich auf eine notwendige stationäre Therapie einzulassen.

Suchttherapie mit Kind stellt für die Mutter einerseits eine große Herausforderung dar, andererseits erleben wir es immer wieder, dass die Anstrengung am Ende mit einer gefestigten Mutter-Kind-Beziehung, gestärkter Erziehungskompetenz der Mutter und oft erstaunlichen Entwicklungsschüben derKinder belohnt wird.

Bereits seit 1985 bieten wir in unserer Fachklinik bis zu acht Plätze für suchtkranke Mütter mit Kindern im Vorschulalter an. Die Unterbringung und Betreuung der Kinder wird von den Kostenträgern im Rahmen der Haushaltshilfe (§38 SGB V) bezahlt. Wir nehmen auch schwangere Frauen auf, deren Geburtstermin innerhalb der Behandlungszeit liegt.

 

 

Zur kindgerechten Ausstattung der Klinik gehören ein Kindergarten, der von erfahrenen Erzieherinnen kompetent und liebevoll geführt wird, ein schöner mit hochwertigen Spielgeräten bestückter Spielplatz im Außengelände, ein Kinderbereich im Aufenthaltsraum sowie das Tiergehege mit Ponys und Ziegen.

 

 

Wertschätzung – unsere Grundhaltung und Grundlage jeder Therapie

 

Wir begegnen jeder Mutter und jedem Kind grundsätzlich mit Wertschätzung und Vertrauen in die eigene Entwicklungsfähigkeit.

Wir davon aus, dass jede Mutter, die sich auf die Behandlung einlässt, eine gute Mutter sein und für ihr Kind das Beste will - selbst wenn das in der Vergangenheit aufgrund der Suchterkrankung manchmal nur begrenzt möglich war.

 

 

Abstinenz ermöglicht Wachstum – für Mutter und Kind

 

Allein das intensive Zusammenleben unter Abstinenzbedingungen ermöglicht oftmals bereits eine deutliche Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehung. Das Kind erlebt seine Mutter als zuverlässige Bezugsperson, die ansprechbar und emotional erreichbar ist.

Die klare Tagesstruktur bietet Mutter und Kind einen sicheren Rahmen, in dem sich Phasen des Miteinander und der guten Trennung abwechseln. Unter diesen Bedingungen machen die Kinder oft in kurzer Zeit erstaunliche Entwicklungsschritte.

 

Die zunehmende Stabilität der Mutter und der sichere Rahmen ermöglichen auch, dass die Kinder anfangen, deren neugewonnene Belastbarkeit zu testen. Daraus erwachsen mitunter neue Fragen und Konflikte, bei deren Lösung die Mutter im Rahmen der speziellen Mutter-Kind-Therapieangebote (s.u.) unterstützt wird.

Das besondere Therapieangebot der Mutter-Kind-Behandlung:

 

  • „Zusammen und mittendrin“: Das Setting

Wir verfolgen in unserer Klinik ein integratives Konzept. Das heißt, Mütter und Kinder leben und essen in der Klinik mit den anderen Patientinnen zusammen. Dieser Ansatz bietet die Chance, dass die Mütter sich nicht nur als Mutter mit Kind erleben sondern auch als erwachsene Frauen im Austausch mit anderen Frauen.

Während der Therapie bewohnt jede Mutter mit ihrem Kind ein gemeinsames Zimmer. Sie ist und bleibt auch während der Therapie Hauptbezugsperson für ihr Kind und trägt die Verantwortung für dessen Versorgung. Das stärkt die Mutter-Kind-Beziehung und gibt dem Kind Sicherheit.

Während der Therapiezeiten werden die Kinder von erfahrenen Erzieherinnen im klinikeigenen Kindergarten betreut (Mo.-Fr. 8.00-12.00 Uhr und Mo.-Do. 15.30-17.00 Uhr). Außerhalb der Kindergartenzeiten sind die Mütter selbst für ihre Kinder verantwortlich. Der Klinikkindergarten und das Spielmaterial stehen ihnen aber auch außerhalb der Betreuungszeiten (abends und an den Wochenenden) zur Verfügung.

 

 

  • „Wann ist endlich Kindergarten“: Zuverlässige und kompetente Betreuung im Kindergarten

Je nach Gruppengröße betreuen ein bis zwei Erzieherinnen die Kinder während der verpflichtenden Therapiezeiten im klinikeigenen Kindergarten. Bei maximal acht Kindern besteht die Möglichkeit intensiv auf jedes einzelne Kind einzugehen und auch Kinder mit erhöhtem Betreuungsbedarf zu integrieren. Die Kinder werden mit Spielen, Singen, Basteln und Bewegung in ihrer individuellen Entwicklung gefördert. Soweit möglich werden pädagogische Konzepte und Themen umgesetzt, wie sie auch im Regelkindergarten üblich sind.

 

 

  • „Grenzen ziehen ist nicht leicht“: Unterstützung und Beratung in der wöchentlichen Müttergruppe

Die Müttergruppe findet unter therapeutischer Leitung fortlaufend während der gesamten Behandlungsdauer einmal wöchentlich statt. Mit therapeutischer Hilfe können die Mütter eigene Fragen einbringen, das eigene Erziehungsverhalten reflektieren und Anregungen für einen konstruktiven Erziehungsstil aufnehmen.

Von therapeutischer Seite werden zusätzliche Themen wie Grenzen setzen, Gewaltfreie Konfliktlösungen, Umgang mit Wut und Aggression, Beschäftigungsmöglichkeiten mit dem Kind, Sicherheit des Kindes, Gesunde Ernährung etc. mit den Müttern bearbeitet.

 

 

  • „Das alles kann ich schon“: Regelmäßige Rückmeldung über die Entwicklung des Kindes

Einmal monatlich nehmen auch die Erzieherinnen an der Müttergruppe teil und geben zusammen mit der zuständigen Therapeutin jeder Mutter gezielte Rückmeldung über die Integration ihres Kindes im Kindergarten, über seine Vorlieben und Entwicklungsfortschritte oder auch im Hinblick auf Fördermöglichkeiten.

 

 

  • „Spiel und Spaß“: Angeleitete Mutter-Kind-Aktivitäten

In der von den Erzieherinnen angeleiteten wöchentlichen Mutter-Kind-Gruppe werden Anregungen für eine aktive Förderung und spielerische Beschäftigung mit dem Kind vermittelt und direkt umgesetzt. Die Angebote beziehen sich auf u.a. Themen wie Bewegung, Naturerkundung, gemeinsames Lesen, Spielen und Basteln, Einschlaf- und Ruherituale.

Im Sommer und bei schönem Wetter besteht für die Kinder die Möglichkeit zum Pony-Reiten auf unserem Klinikgelände oder auch zur Ausfahrt mit der Ponykutsche.

 

 

  • „Ich hab da ein Problem“: Vertiefende Einzelgespräche mit der Mutter-Kind-Therapeutin

Bei Bedarf können die Mütter vertiefende Einzelgespräche in Anspruch nehmen. Vor allem in der Anfangsphase dienen diese dem Aufbau eines konstruktiven und vertrauensvollen Kontakts, der es der Mutter ermöglicht, konkrete Probleme mit dem Kind anzusprechen und Ideen zur Lösung zu entwickeln.

 

 

  • „Mein Bauch tut weh“: Medizinische Betreuung

Auch die Kinder werden während des Aufenthaltes bei uns medizinisch betreut. Dabei wird auch auf bislang nicht erkannte Entwicklungsverzögerungen und auf sonstige Erkrankungen geachtet. Der Impfstatus und die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen werden überprüft und ggf. aktualisiert. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit einem niedergelassenen  Kinderarzt vor Ort.

 

 

  • „Wer kann uns zuhause weiterhelfen?“: Externe Diagnostik, Therapie und Hilfsangebote

Bei Bedarf können in Absprache mit der Mutter externe Termine zur diagnostischen Abklärung einer behandlungsbedürftigen Störung organisiert werden. Dadurch können notwendige Therapien oder Maßnahmen zur Frühförderung des Kindes frühzeitig auf den Weg gebracht werden.

Bei Bedaruf unterstützen wir die Mutter bzw. beide Eltern bei der Abklärung und Organisation von weiteren Hilfen durch das Jugendamt oder andere Institutionen nach der Therapie in unserem Haus (z.B. sozial-pädagogische Familienhilfe, Finanzierung von Krippenplatz, Erziehungsberatung).